Mittwoch, 13. Mai 2015

Chile - 4.500 Kilometer pure Schönheit

Nach den entspannten Tagen in Argentinien sollte in Chile wieder Fahrt aufgenommen werden, denn mein Bruder hatte sich angekündigt. In insgesamt 3,5 Wochen wollten wir die Strecke von Santiago nach Lima bewältigen - ein straffes Programm.
Chile begrüßte mich gleich zu Beginn mit einer atemberaubenden Landschaft. Die sechs Stunden Busfahrt von Mendoza nach Santiago sollte man unbedingt am Tag machen, denn das Panorama mit bis zu 6.000 m hohen Bergen ist atemberaubend. Die Grenze zwischen Argentinien und Chile befindet sich auf mehr als 3.300 Meter Höhe mitten in einem Tunnel. Durch einen glücklichen Zufall saß ich in einem Doppelstock-Reisebus oben ganz vorn, so dass ich die beste Sicht hatte:

Fahrt in Richtung Chile - im Hintergrund die Anden, die es zu überwinden galt

Auf 3.000 Meter Höhe über die Anden


Nach Ankunft von meinem Bruder erkundeten wir vier Tage lang die Stadt, welche im Vergleich zu Buenos Aires einen eher US-amerikanischen Eindruck machte mit großen Glasbürotürmen, einem gut ausgebauten Autoverkehrsnetz sowie Fast Food an jeder Ecke. Man sagt, es ist die wohlhabendste Stadt auf dem Kontinent. Chile gilt bei den Vereinten Nationen als einziges entwickeltes Land in Südamerika. Wir haben uns größtenteils in den wohlhabenderen Vierteln Los Condes und Providencia sowie in Downtown aufgehalten, wo es jedoch einiges zu sehen gab. Auffallend hoch scheint in diesen Gegenden der deutsche Einfluss zu sein. Die größte und renommierteste Klinik des Landes heißt "Clinic Alemania", daneben befindet sich direkt ein deutscher Country Club, eine amüsante Kombination, wenn man bedenkt, dass die Clubs doch eher britischen Ursprungs sind. Daneben gibt fünf deutsche Schulen, wo man das Abitur erwerben kann sowie zahlreiche Bars und Restaurants mit Namen, wie "Ilmenau" oder das "Fritz Haus". Im Fahrstuhl im Apartmentkomplex einer Bekannten trafen wir zufällig eine weitere deutschsprachige Bewohnerin, die aus dem Süden Chiles stammte.

US-amerikanisch geprägte Stadt, inklusive Smog-Nebel

Historische Altstadt in Santiago de Chile

Deutscher Country Club im Stadtteil Los Condes

Santiago liegt auf einer Hochebene an den Füßen der Anden, circa 150 Kilometer vom pazifischen Ozean entfernt. Um dennoch mal ans Meer zu gelangen, haben wir einen Tagesausflug in die kleinere Hafenstadt Valparaiso gemacht. In den Randbezirken macht sie zwar einen etwas heruntergekommenen Eindruck, im Zentrum erstrahlt jedoch eine reizvolle Altstadt, die mit bunten Farben und ästhetischer Straßenkunst aufwartet. Dabei ergeben sich schöne Aussichten von den zahlreichen Erhebungen in der Stadt, die man bequem mit diversen Berglifts (Ascensor) erreichen kann. Es hat wirklich Spaß gemacht, die zahlreichen Erhebungen (sog. Cerros) zu erklimmen und dabei verwinkelte Straßen und künstlerische Bilder zu erkunden.

Blick auf den Hafen von Valparaiso, circa zwei Stunden von Santiago entfernt

Street Art überall

Wundervoll gestaltete Straßen...

...und Häuser

Den vierten und letzten Tag haben wir dann wieder in Santiago verbracht, bevor es weiter ging per Flieger in die 1.500 Kilometer nördlich gelegene Stadt San Pedro, inmitten der Atacamawüste. Die Wüste gilt als eines der trockensten Orte der Erde. In circa 2.500 Meter Höhe gelegen und komplett von bis zu 6.000 Meter hohen Bergen umgeben gelangen hier nur selten Winde, Wolken oder sogar Regen hin. Über 300 Tage ohne Wolken und einige Wetterstation haben seit Beginn der Aufzeichnung noch keinen einzigen Tropen Regen registriert. Um so kurioser wirkten daher die Berichte, dass gut vier Wochen zuvor "heftige Regenfälle" mit Niederschlagsmengen, die sonst nur innerhalb von 14 Jahren fallen, für einige Überschwemmungen sorgten. Als wir ankamen, hat man davon jedoch nichts mehr gesehen und bis auf wenige, zarte Wolken am Himmel war die gesamte Zeit niederschlagsfrei.
Wer jetzt denkt, dass dieser Ort eher langweilig und komplett ohne Leben daherkommt, irrt gewaltig. Erstaunlicherweise bot dieser Ort eines der abwechslungsreichsten Landschaften, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Von rauchenden Geysiren auf 4.500 Meter Höhe, über riesige Salzlagunen, rotes Gestein mit weißer Salzkruste überzogen sowie Schnee in den bis zu 6.000 hohen Berggipfeln deckt Atacama eine beeindruckende Bandbreite an Orten ab. Auch hinsichtlich Temperatur war alles dabei von -15 bis +25 Grad an einem Tag, das heißt am Morgen waren Wollsocken, Schal und etliche Lagen an Pullover und Jacke notwendig, während man am späten Nachmittag mit kurzen Hosen und T-Shirt herumlaufen konnte.

Geysire und Vulkane bei -10 Grad am Morgen auf 4.000 Meter Höhe

Alpakas scheinen sich hier wohlzufühlen

Flamingos treffen wir überall

Das Mondtal mit roten Gestein und einer jahrtausendealten Salzkruste

Der trockenste Platz der Erde

Eine der vielen Lagunen (im Hintergrund: ein Auto dass wohl etwas zu weit in den See gefahren ist)

Unbestrittenes Highlight war dabei die Tour an unserem letzten Tag in Chile: die Besteigung des aktiven Vulkans Lascar. Als Voraussetzung war eine Akklimatisierung auf Höhen von 3.500-4.000 Meter unablässig, die wir jedoch durch den Aufenthalt in den letzten Tagen erreicht hatten. Am frühen Morgen fuhren wir per Jeep an den Fuß des Berges, wo wir bei -10 Grad ein kleines Frühstück einnahmen. Danach ging es auf circa 4.900 Meter mit dem Auto, wo die Luft bereits sehr dünn wurde. Die verbleibenden 700 Meter liefen wir dann in einem konstantem Tempo, das langsam genug war, damit sich der Körper auf die neue Höhe einstellen konnte. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man aus der Puste kommen kann. Im Mittelgebirge wären wir ähnliche Steigungen hoch gerannt, hier ist es unbedingt angebracht, quasi in Zeitlupe zu wandern. Laut unserem Guido ändert sich dieses Tempo auch nicht groß bei Extrembergsteigern. Lediglich die Zeit zwischen den Pausen wird größer. Nach knapp drei Stunden erreichten wir dann etwas beseelt, aber überaus glücklich den Gipfel des Vulkans in 5.600 Meter Höhe. Ich war noch nie annähernd so hoch gewesen und es war ein extrem glückliches Gefühl, die Aussicht zu genießen. Nach weiteren 1,5 Stunden waren wir dann wieder am Auto und es ging wieder zurück nach San Pedro, das auf 2.500 Meter Höhe liegt. Wir haben an diesem Tag also über 3.000 Höhenmeter überwunden!

Frühstück bei -10 Grad auf 4.300 Metern - der Blick entschädigt

Jetzt geht es weiter zu Fuß

Der Aufstieg ging nur langsam voran aufgrund der Höhenluft

Geschafft - angekommen auf 5.600 Höhenmeter


Auf diesen Berg sind wir gestiegen






Montag, 4. Mai 2015

Argentinien - Vom Frühling in den Herbst

Mit Argentinien betrete ich einen komplett neuen Kontinent, von dem ich - gemessen an meinen Vorkenntnissen in Asien - bislang nur sehr wenig wusste. In meinem bisherigen Alltag hatte ich fast gar keine Berührungspunkte, was vielleicht an fehlenden Sprachkenntnissen als auch an der geringeren Berichterstattung in den deutschen Medien lag. Vor meiner Anreise habe ich viele beunruhigende Geschichten gehört, vor allem hinsichtlich der Sicherheitslage, der grassierenden Armut als auch der Hinweis, sich auf jeden Fall Spanisch-Kenntnisse anzueignen. Ich war daher etwas nervös, gleichzeitig aber auch bereit für das Abenteuer!
Dank United Airlines hatte ich drei Tage Zeit, mich mental auf die kommenden Wochen einzustellen. Zwei Mal wurde der Weiterflug storniert, was dazu führte, dass ich jeweils eine Nacht in Chicago sowie in Houston verbringen durfte. Nach mehr als 72 Stunden unterwegs landete ich dann endlich 4 Uhr morgens in Buenos Aires, meiner ersten Station, und war gleich bei meiner Ankunft mitten im Leben. Nahe des Touristenviertels San Telmo fand gerade ein Polizeieinsatz mit vier Wagen und 4-5 Männern statt, die Hände erhoben an der Wand standen und durchsucht wurden. Ganz unberechtigt schien die Sorge um die Sicherheit wohl nicht gewesen zu sein.

Kurzer Zwischenstopp am Lake Michigan (Milwaukee)

Landeanflug auf Houston

Lieblingsbeschäftigung: Warten am Flughafen

Insgesamt zehn Nächte habe ich in Buenos Aires verbracht, mehr als an jedem Ort meiner Reise zuvor. Um mich sprachlich zu akklimatisieren, habe ich einen einwöchigen Spanisch-Crashkurs belegt, der jeden Nachmittag stattfand. Die interessanteste Umstellung war allerdings metereologischer Natur. Während in Südkorea bei frühlingshaften Temperaturen gerade die ersten Kirschblüten blühten, fand ich mich in Buenos Aires plötzlich mitten im Herbst wieder, wo die Bäume gerade ihre Blätter verlieren. Auch wenn ich in Asien über drei Monate lang immer Sonnenschein gehabt habe, war es ein komisches Gefühl, den Sommer zu überspringen.
In Buenos Aires habe ich gleich am ersten Abend gemerkt, warum viele diese Stadt so lieben. Im Hostel fragte mich eine Holländerin, die bereits seit zwei Monaten vor Ort ist, ob ich mit auf eine WG-Party kommen möchte und so fand ich mich kaum Stunden nach meiner Ankunft in einer Künstlerwohnung wieder, wo elektronische Musik lief. Im Anschluss ging es noch in einen Club, der mich künstlerisch und musikalisch sehr stark an Berlin erinnerte. In den darauffolgenden Tagen pendelte sich eine Art Alltag ein mit Ausschlafen, Frühstück, etwas Sightseeing und anschließendem Sprachkurs. Am Abend standen ein paar Hausaufgaben sowie ein Bier in einer Bar mit ein paar anderen Reisenden auf dem Plan, die ein ähnliches Programm wie ich absolvierten. Es war eine entspannte Zeit, die gut tat nach dem eher straffen Programm in Asien.
Herbstwetter in Südamerika

Die Entdeckung der Stadt brachte ein paar neue Erkenntnisse hervor, allen voran die Tatsache, wie stark der gesamte Kontinente durch Einwanderer aus Europa und Afrika geprägt war. Diese Entwicklung vollzog sich parallel zu den Vereinigten Staaten und schloss mit der Bildung der Nationalstaaten Anfang des 19. Jahrhunderts ab, die unabhängig von Spanien und Portugal wurden. Im 19. Jahrhundert war nicht nur New York die verheißungsvolle Stadt, sondern auch Buenos Aires verzeichnete ähnliche Zustromraten. Ähnlich wie in den USA waren es die schier unendlich erscheinenden Ressourcen, die Menschen aus dem engen Europa anlockten und eine verheißungsvolle Zukunft versprachen. Ganz abkoppeln konnten sich die Neuankömmlinge dabei allerdings nicht, denn in Buenos Aires fingen Ende des 19. Jahrhunderts viele reiche Familien an, ihre Häuser im Stile europäischer Architektur zu bauen. Die Stadt ist eine wahre Sammlung alter europäischer Stile aus verschiedenen Epochen und Nationen, meist in direkter Nachbarschaft, was manchmal recht kurios ausschaut. Das Schöne dabei ist, dass jedes Viertel seinen ganz eigenen Charakter hat. So vereint das Viertel San Telmo eher die traditionell südamerikanische Architektur und ist ein Hort von Künstlern und Musiker, während Viertel wie Ricoleta oder Palermo äußerst modern und nahe am europäischen Stil sind. Noch heute sagt man, dass Buenos Aires die europäischste Stadt Südamerikas ist.

Klassische, europäisch angehauchte Architektur

Friedhof im wohlhabenden Stadtteil Ricoleta 

Stadion des berühmten Vereins La Boca

Wunderschöne Parks in Ricoleta

Das bunte Südamerika im Stadtteil Boca

Die Uferpromenade direkt unterhalb von Downtown

Gegen Ende meines Aufenthalts in der verheißungsvollen Stadt habe ich nochmal einen kurzen Abstecher nach Uruguay gemacht, welches circa eine Fährstunde von Buenos Aires auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht entfernt liegt. Die dortige Stadt Colonia hat eine wunderschöne Altstadt aus der Kolonialzeit, die mir sehr gut gefallen hat und weniger nach Europa aussieht. Am nächsten Tag bin ich wieder zurück per Fähre und direkt in den Bus zur nächsten Station, den berühmten Iguazu-Wasserfällen am Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien.


Idyllische Stadt Colonia in Uruguay

Die Altstadt ist sehr gut erhalten

Das berühmte Asadogrill-Menü für eine Person

Die Iguazufälle gehören zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Erde. Mit über 80 Meter Fallhöhe auf 2,5 Kilometer Länge gehören sie zu den wasserreichsten Fällen der Welt. Bereits die Busfahrt dahin war ein schönes Erlebnis. 1.300 Kilometer in nur 15 Stunden hat in Asien kein Bus geschafft. Hinzu kam, dass es in Südamerika Schlafbusse gibt, wo man eine Menge Beinfreiheit hat und in denen man die Sitze fast (Semi-Cama) oder ganz liegend (Cama) einstellen kann. Es war meine erste Busfahrt über Nacht, in der ich regelrecht ausgeruht angekommen bin. Das Highlight bei den Iguazufällen war definitiv die Bootsfahrt am Fuße der Fälle, wo man komplette geduscht wurde. Aber auch der Ausblick von der oberen Plattform, dem sogenannten "Teufelsschlund" war atemberaubend. Hier sind ein paar Impressionen von diesem Tag - ein Naturschauspiel, das auf jeden Fall eine Reise wert ist:

1.300 Kilometer per Bus in den Norden Argentiniens

Blick auf die eine Hälfte des Wasserfalls

Man muss die Natur spüren :D

Blick von oben auf den "Teufelsschlund"

Von Iguazú aus ging es dann per Flugzeug weiter in die zweitgrößte Stadt des Landes, Córdoba. Man unterschätzt manchmal die Entfernungen, denn diese Etappe wären sonst mehr als 1.500 Kilometer gewesen. Córdoba ist eine Stadt mit über zehn Universitäten und damit überproportional mit Studenten bevölkert. Ursprünglich wollte ich nur wenige Stunden in der Stadt verbringen, da am nächsten Morgen mein Weiterflug nach Mendoza geplant war, jedoch wurde dieser wieder mal storniert aufgrund schlechten Wetters. Da am nächsten Morgen keine Aussicht auf Besserung bestand, habe mich entschlossen, per Bus weiterzufahren. Vor diesem Hintergrund hatte ich einen ganzen Tag in der Stadt, die mir ziemlich gut gefallen hat.

Cordoba - zweitgrößte Stadt Argentiniens

Eine durchaus studentisch geprägte Stadt

Interessante Halfpipe- / Skatingkonstruktion

Der letzte Stop meiner Reise führte mich in die Weinstadt Mendoza, im Westen Argentiniens direkt an den Füßen der Anden. Sie machte den bisher entspanntesten Eindruck. Hier habe ich nochmal etwas Kraft getankt und die Fülle der Region genossen. Ein kleiner Abstecher in die Berge, eine Radtour durch mehrere Weinereien, ein vom Hostel organisiertes Grillen am Abend (sog. Asado) sowie mein erster Paragliding-Flug direkt an den Ausläufern der Anden bildeten den perfekten Abschluss und gleichzeitig Einstimmung auf den nächsten Teil der Reise: die Strecke von Santiago bis Lima mit meinem nächsten Bruder Johannes! 


Der Mendoza-Fluss bei Potrerillos

Mendoza ist eine Weingegen mit über 1.000 Weingütern

Erkundung der Weingüter per Fahrrad

Wahrscheinlich das beste Steak auf meiner Reise

Zum Abschluss noch ein Paraglyding-Flug am Fuße der Anden


Mittwoch, 15. April 2015

Zur Kirschblüte nach Korea

Südkorea ist das siebte asiatische Land, das ich auf dieser Reise besuche. Dennoch wäre es ein Trugschluss, zu glauben, dass ich diesen Riesenkontinent bereits in irgendeiner Weise erfasst habe. War mein bisheriges Bild - mit Ausnahme von Hong Kong und Macau - eher von staubigen, vollen Straßen mit lauten, hupenden Autos und Motorrädern und einfachen Lebensumständen der Menschen geprägt, scheint Korea eine Oase der Sauberkeit, der Ästhetik und der Ruhe zu sein. Es ist das erste Land Asiens, das ich sehe, welches flächendeckend auf einem westlichen Stand ist - teilweise sogar höher. Moderne Infrastruktur, Hochhäuser und überall WLAN mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 GB pro Sekunde, dazu jede Menge Shoppingzentren und gefühlt die höchste Dichte an Cafés der Welt. Die wichtigsten Städte des Landes sind per Hochgeschwindigkeitszug mit 300 km/h zu erreichen. Einmal quer durch das Land fahren dauert lediglich drei Stunden. Das spiegelt sich auch im Verhalten der Menschen wider. Autos fahren bedächtig, hupen nicht und blinken sogar beim Spurwechsel. An den Gehwegampeln wird auf Grün gewartet, obwohl weit und breit kein Fahrzeug zu sehen ist. Nicht zuletzt kann man in den Toiletten wieder sein Klopapier werfen, ohne dass man Angst haben muss, die Leitungen zu verstopfen. Es war ein Durchatmen nach den etwas robusteren Bedingungen, vor allem in Myanmar und Kambodscha.

Einfahrt des KTX-Zuges

Blick auf das Zentrum von Seoul vom Namsan Mountain aus

Dieser Zustand kommt nicht von ungefähr. In den letzten dreißig Jahren hat Südkorea eine enorme Entwicklung durchgemacht von einem kriegsgeschundenen, autokratisch regiertem Land hin zu einer offenen, liberalen Demokratie mit einer florierenden Wirtschaft. Global sehr erfolgreiche Konzerne sind hier zu Hause, beispielsweise Samsung, Hyundai oder LG. Der Preis dafür ist jedoch hoch. Arbeitszeiten sind um einiges länger als bei uns in Europa und jeden Abend kommen die Kinder erst gegen 22 Uhr aus der Schule. Danach gehen einige sogar noch in Nachhilfe. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, wenn auch manchmal sehr schüchtern, ihre guten Englischkenntnisse anzuwenden. Als westlicher Tourist ist man hier in der absoluten Minderheit. Ich kann es nicht ganz verstehen, denn die meisten asiatischen Völker scheinen das Land zu lieben. Sie alle kommen in Scharen, vor allem aus China, Japan, Hong Kong und Taiwan. Auf meinem neuntägigen Abstecher habe ich mir drei Städte angeschaut: Busan, Gyeongju und zum Schluss Seoul.
Erste Station: Mit circa 3,5 Millionen Einwohnern ist Busan die zweitgrößte Stadt des Landes. Direkt an der südöstlichen Küste gelegen schmiegt es sich wunderschön in die hügelige Landschaft ein und erinnert mich stark an Vancouver (Kanada), welches ebenfalls von Bergen und Küste umgeben ist. Busan macht einen äußerst gepflegten und idyllischen Eindruck, was auch daran liegt, dass es hier kaum Fabriken gibt. Busan ist Sitz der koreanischen Filmindustrie, die weitreichenden Einfluss im gesamten asiatischen Raum hat. Daneben beherbergt die Stadt den größten Hafen des Landes und wartet als Küstenstadt mit einem breiten Angebot an Seafood auf. Zwei Nächte habe ich hier verbracht und mich entschlossen, dieses Mal in eine private Unterkunft zu gehen, die ich auf AirBnB gefunden habe. Direkt am Gwangali-Strand gelegen war ich perfekt an das Zentrum sowie die umliegenden Berge angebunden. Die Stadt bietet weniger klassische Sehenswürdigkeiten, wie Museen oder alte Tempel. Der Trumpf ist Landschaft in und rundherum der Stadt. Am ersten Tag habe ich die Küste erkundet, die teilweise sehr felsig ist. Am zweiten Tag bin ich auf einem der umliegende Berge gestiegen, dem Jangsan-Mountain. Es war ein kurzer, steiler Aufstieg. Dafür war die Aussicht von oben mehr als atemberaubend:

Ausblick von Jangsan Mountain bei Busan I

Ausblick von Jangsan Mountain bei Busan II

Und wer noch nicht genug hat, hier sind weitere Ansichten von Busan:
Felsiger Küstenstreifen im Taejongdae-Park

Blick vom Lotte-Shoppingszentrum

Blick auf den Fischereihafen von Busan

Busan North Harbor-Brücke

Auf dieser Wanderung in den Bergen sind mir viele wanderfreudige koreanische Rentner begegnet, die in einem beachtlichen Tempo die Aufstiege absolvierten. In Asien gibt es des öfteren Outdoor-Fitnessgeräte, welche oftmals auch im Wald herumstehen - so auch hier. Ich selbst habe nach dem keuchenden Klettern keine Lust verspürt, mich da ranzusetzen, die Koreaner haben nach dem Ausdauertraining jedoch meist noch eine Kraftübung gemacht - Wahnsinn! Da meine Gastmutter noch etwas Zeit hatte und sie selbst lange nicht mehr ihre eigene Heimatstadt besichtigt hat, fuhr sie mich spontan noch ein wenig in Busan herum, zeigte mir einige neue Stadtviertel, einen idyllischen Tempel an der Küste und lud mich anschließend sogar noch zum Mittagessen ein. Ich war echt beeindruckt.

Tour durch den Stadtteil Haeyondae mit meiner Gastmutter

Besuch eines kleinen, buddhistischen Tempels im Norden der Stadt

Leider musste ich schon bald weiter in die Nachbarstadt Ulsan, denn ein ehemaliger Kommilitone von mir war gerade in der Nähe - ein kurioser Zufall. Diese Gelegenheit mussten wir nutzen! Es wurde ein klasse Abend - super Essen und im Anschluss noch ein paar Drinks in einer Bar. Die Hotelwahl in dieser Stadt musste ich jedoch etwas überstürzt getroffen haben, denn als ich im 'Cozy Hotel' meinen Raum betrat, fand ich allerhand Utensilien für eine perfekte Liebesnacht wieder, einschließlich Kondomen und Gleitgel direkt auf dem Tisch. War ich in einem Bordell gelandet? Nicht ganz, wie ich später erfuhr. Der Hintergrund ist einleuchtend: Da viele Koreaner auf engem Raum mit wenig Privatsphäre zusammenleben, geht man für eine intime Nacht zu zweit eher ins Hotel als zu Hause inflagranti erwischt zu werden. Wundert mich nur, warum es trotzdem keine Stundentarife gab?
Zweite Station: Am nächsten Tag fuhr ich nach Gyeonju (ausgesprochen: Gongdschu), der ehemaligen Hauptstadt des fast tausendjährigem Sillareiches von 57 v. Chr bis 927 nach Christi Geburt. Warum die Jahreszahlen hier wichtig sind, fand ich erst vor Ort heraus, denn es steht nicht mehr viel von der ehemaligen, angeblichen Millionenstadt. Allerdings sind die Grundstrukturen noch zu erkennen, es gibt eine Vielzahl an Parks, die wunderschön in der weißen Farbe der Kirschblüten erstrahlten und letztlich wurden einige Tempel wieder komplett nachgebaut, so dass es heute auf jeden Fall eine sehenswerte Stadt ist und so viel zu bieten hat, dass zwei Tage sehr knapp bemessen waren. Hier ein paar Impressionen:










Dritte Station: Komplett begeistert von der wunderschönen Natur und der Kultur des Landes kehrte ich für die letzten drei Tage in die Haupttadt Seoul zurück. Bereits bei meiner Ankunft in Korea machte ich einen kurzen Spaziergang durch den Namsan Tower Park und war sehr angetan. Trotz ihrer Größe mit bis zu 10 Millionen Einwohnern (Großraum 20 Millionen) macht die Stadt einen weitaus weniger hektischen Eindruck als Hong Kong. Ich habe mich von dieser Stimmung anstecken lassen und bin diese Zeit nach vier Wochen Powerprogramm sehr gemächlich angegangen: Ausschlafen, Herumwandern in Parks, ein klein wenig Shoppen, viel Kaffee und maximal 1-2 Sehenswürdigkeiten bildeten das perfekte Tagesprogramm. Darüber hinaus habe ich eine Reisebekanntschaft vom letzten Jahr sowie einen weiteren ehemaligen Kommilitonen getroffen, wodurch ich nebenbei kulinarisch bestens in die koreanische Küche eingeführt wurde.

Eingang des Gyeongbokgung-Palastes in Seoul

Blick vom Namsam-Park

Traditionelle koreanische Suppe

Am letzten Tag gab es nochmal einen besonderen Höhepunkt aus der aktuellen Geschichte Koreas zu bestaunen: der Besuch der aktuellen Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Nur 50 Kilometer nördlich von Seoul gelegen, besteht diese aus einem vier Kilometer breiten (zwei Kilometer auf jeder Seite) Pufferstreifen, der komplett demilitarisiert ist. Sie gilt als eine der am besten gesicherten Grenzen der Welt. Als Ostdeutscher und DDR-Geborener hat mich diese Geschichte sehr bewegt, denn diese "Mauer" ist um einiges undurchlässiger als damals zwischen den beiden Deutschlands. Während bei uns die meisten BRD'ler ihre Verwandten in der DDR besuchen konnten, besteht diese Möglichkeit in Korea nicht. Es gibt Familien, die sich seit 70 Jahren nicht mehr gesehen haben! Der einzige Austausch findet auf wirtschaftlicher Ebene statt. Nordkoreas zweitgrößte Stadt Keosang befindet sich nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt und beherbergt einen Industrieomplex mit ungefähr 100 südkoreanischen Firmen, wo schätzungsweise 50.000 Nordkoreaner und 800 Südkoreaner (meist als Manager) arbeiten. Auf die 80 Millionen Dollar Steuern, die dieser Komplex pro Jahr zahlt, will die kommunisitische Regierung trotz himmelweitem Systemunterschieds wohl nicht verzichten. 2007-08 gab es sogar eine Eisenbahnverbindung in den Norden, die allerdings wieder eingestellt wurde. Die Hinweistafel mit dem Zug nach Pjöngjang an der letzten südkoreanischen Station Dorasan kommt daher eher sarkastisch daher.

Am Horizont liegt Nordkorea

 Grenzsicherung auf südkoreanischer Seite

Zug nach Pjöngjang fährt derzeit leider nicht

Fragt man die Koreanern glaubt keiner, dass er die Einheit noch persönlich erlebt. Ich weiß, dass das in Deutschland 1988 auch noch allgemeiner Konsens war und ein Jahr später ist die Mauer gefallen. Bleibt zu hoffen, dass ein ähnliches Wunder ebenfalls in Korea passieren kann.