Über allem schwebt Ho Chi Minh
Auf die Zeit in Vietnam hatte ich mich daher ganz besonders gefreut, was jedoch auch noch einen zweiten Grund hatte, denn ich bekam Gesellschaft von meinem Bruder. Zusammen erkundeten wir das Land in Richtung Norden. Beginn war die Stadt Ho Chi Minh, dem wirtschaftlichen Zentrum Vietnams. Da der Süden des Landes nur kurz sozialistisch geprägt war, lief hier die Wirtschaft nach der Öffnung am schnellsten an. Diese Dynamik ist seit dem geblieben. Touristisch hat diese Stadt jedoch eher weniger zu bieten. Das "War Remnants" Museum ist wohl die einzige erwähnenswerte Sehenswürdigkeit. Das Museum gibt Auskunft über den Verlauf des Vietnamkrieges aus der Sicht des Siegers. Größtenteils macht es einen ausgewogenen Eindruck, jedoch muss man schon einige Male schmunzeln, wenn Artikel der amerikanischen Verfassung oder der Genfer Kriegskonvention zitiert werden und direkt daneben Bilder zu sehen sind mit amerikanischen Kriegsverbrechen. Der Krieg war auf jeden Fall eine einschneidende Zeit, deren Folgen bis heute zu spüren sind. Tausende Quadratkilometer Mangrovenwälder, die mit Hilfe chemischer Waffen zerstört worden sind sowie der flächendeckende Einsatz von Napalmbomben haben die Landschaft sowie die Gesundheit der Menschen nachhaltig beschäftigt - bis heute.
Neben dem Museum ist Ho Chi Minh Stadt Ausgangspunkt für Ausflüge in das sich südlich anschließende Mekongdelta. Wir haben eines der zahlreichen Angebote genutzt und sind für zwei Tage mit einer Tour ins Delta gefahren, wo neben einer Honigfarm, Obstplantage, und schwimmenden Märkten eine Fahrradtour sowie eine kurze Paddeltour auf dem Plan standen. Übernachtet haben wir in einem kleinen Dorf an einem der vielen Seitenarme des Mekongdeltas. Offiziell hieß dies Homestay, was jedoch eher eine Art Pension auf dem Grundstück einer Familie war. Einen privaten Einblick haben wir nicht bekommen. Der Willkommenssatz des Gastwirtes "Welcome to my home" muss daher wohl eher ironisch gemeint sein. Das Mekongdelta ist die am dichtesten besiedelte Region Vietnams. Unsere romantische Vorstellung von hunderten, einsamen Flussarmen mit vereinzelten traditionellen Fischern stellte sich daher als sehr naiv heraus. Im Gegenteil, eine Stadt reihte sich nach der anderen und die Ufer sind so gut wie alle zugebaut. Wäre es noch etwas mehr entwickelt, könnte man diese Gegend wohl als "Megavenedig" bezeichnen. Allerdings ohne Romantik, denn das Wasser war recht schmutzig aufgrund der vielen Abwässer. Nichtsdestotrotz war es auf jeden Fall interessant, das Leben der Menschen dort kennenzulernen. Der Fluss ist Lebensader eines Großteils der Bevölkerung Vietnams.
...Traditionelle Floating Markets (schwimmender Markt, hier in Can Tho) auf der anderen Seite
Wohnen im Mekongdelta (nahe Can Tho)
Nach all dem Trubel in der Millionenstadt Ho Chi Minh und im dicht besiedelten Mekongdelta sehnten wir uns nach etwas Natur und fanden den perfekten Ort dafür im etwa fünf Stunden entfernt gelegenen Da Lat. Als Erholungsort und "Paris Vietnams" bekannt, gibt es hier weite Straßen, wenig Fahrzeuge und wunderschöne Berge, die man gut per Motorrad erkunden kann. Drei Tage haben wir die Gegend erkundet, dabei eine Kaffeeplantage, mehrere Wasserfälle, eine Seidenspinnerei gesehen sowie einen berühmte Tempel per Schmalspurerlebnisbahn besucht. Darüber hinaus haben wir einen beachtlichen Gipfel erklommen, was uns (fast) alles abverlangt hat. Bilder wie wir direkt nach Ankunft aussahen, existieren, werden jedoch aus Contegnance-Gründen nicht veröffentlicht! Nichtsdestotrotz hat sich auch der Aufstieg gelohnt, denn die Sicht war atemberaubend. Insgesamt hat uns Da Lat so gut gefallen, dass wir noch einen Tag länger geblieben sind als ursprünglich angedacht.
Vietnamesischer Kaffee aus eigenem Anbau
Wir haben es geschafft - Besteigung des Lang Bian-Berges (2.167 m)
Wunderschöne Motorradstrecken um Da Lat
Letzte Station im südlichen Teil des Landes war die Stadt Hoi An. Auf dem Weg dahin haben wir noch kurz einen Zwischenstopp in der vom russischen Pauschaltourismus geprägten Stadt Nha Trang gemacht, wo es uns jedoch eher nicht gefallen hat. Eine Hotelhochburg reihte sich an die andere. Eine Perle konnten wir in dieser Stadt jedoch ausfindig machen und damit unseren 5h-Aufenthalt unvergessen machen: Das Restaurant "Lac Canh" mit traditionellem vietnamesischem Barbeque. Man bekommt einen Grill mit Holzkohle auf den Tisch gestellt, dazu Reis, Bier und Fleisch nach Belieben. Es war ein Traum, vor allem aber auch unterhaltsam, denn an einem Nachbartisch von uns haben die Vietnamesen eine atemberaubende Druckbetankung durchgeführt. Nach weniger als dreißig Minuten hatte jeder bereits 2-3 Bier intus und da war es naheliegend, die Weißen vom Nachbartisch mit teilhaben zu lassen und so bekamen wir zwei Bier gereicht mit der Handbewegung, doch an ihren Tisch zu kommen. Ein Ausschlagen der Einladung wäre keine Option gewesen! Und so standen wir mit 20 betrunkenen Vietnamesen bei Gegrilltem und Bier und konnten uns kein Wort unterhalten. Kurz darauf mussten wir jedoch schon wieder weiter zum Bus weiter nach Norden.
Nach einer 12 h Nachtfahrt kamen wir dann in der Hafenstadt Hoi An an, die eher gemischte Gefühle hervorrief. Zum einem hat Hoi An eine wunderschöne Altstadt, die sehr gut restauriert ist. Auf der anderen Seite ist die Stadt völlig überlaufen mit Touristen aus aller Welt und an jeder Ecke gibt es persönliche Schneider, die mit dem vielsagenden Slogan "We can copy everything" ("Wir können alles kopieren") auf sich aufmerksam machen. Letzteres haben auf jeden Fall gut genutzt. An die vielen Touristen wollten wir uns nicht recht gewöhnen. Wir haben uns dafür wieder ein paar Motorräder ausgeliehen und sind herausgefahren zu einer alten Tempelstadt, sowie in das nahegelegene Da Nang, um uns ein paar interessant geformte Berge aus Marmor anzuschauen - hier ein paar Eindrücke aus diesen Tagen:
Hoi An - idyllisch und das hat sich auch herumgesprochen
An jeder Ecke ein persönlicher Schneiderladen (O-Ton: "We can copy everything")
Ruinen der ehemaligen Hauptstadt Vietnams My Son
Wunderschön und eine tolle Sicht - die Marmorberge von Da Nang






















