Montag, 4. Mai 2015

Argentinien - Vom Frühling in den Herbst

Mit Argentinien betrete ich einen komplett neuen Kontinent, von dem ich - gemessen an meinen Vorkenntnissen in Asien - bislang nur sehr wenig wusste. In meinem bisherigen Alltag hatte ich fast gar keine Berührungspunkte, was vielleicht an fehlenden Sprachkenntnissen als auch an der geringeren Berichterstattung in den deutschen Medien lag. Vor meiner Anreise habe ich viele beunruhigende Geschichten gehört, vor allem hinsichtlich der Sicherheitslage, der grassierenden Armut als auch der Hinweis, sich auf jeden Fall Spanisch-Kenntnisse anzueignen. Ich war daher etwas nervös, gleichzeitig aber auch bereit für das Abenteuer!
Dank United Airlines hatte ich drei Tage Zeit, mich mental auf die kommenden Wochen einzustellen. Zwei Mal wurde der Weiterflug storniert, was dazu führte, dass ich jeweils eine Nacht in Chicago sowie in Houston verbringen durfte. Nach mehr als 72 Stunden unterwegs landete ich dann endlich 4 Uhr morgens in Buenos Aires, meiner ersten Station, und war gleich bei meiner Ankunft mitten im Leben. Nahe des Touristenviertels San Telmo fand gerade ein Polizeieinsatz mit vier Wagen und 4-5 Männern statt, die Hände erhoben an der Wand standen und durchsucht wurden. Ganz unberechtigt schien die Sorge um die Sicherheit wohl nicht gewesen zu sein.

Kurzer Zwischenstopp am Lake Michigan (Milwaukee)

Landeanflug auf Houston

Lieblingsbeschäftigung: Warten am Flughafen

Insgesamt zehn Nächte habe ich in Buenos Aires verbracht, mehr als an jedem Ort meiner Reise zuvor. Um mich sprachlich zu akklimatisieren, habe ich einen einwöchigen Spanisch-Crashkurs belegt, der jeden Nachmittag stattfand. Die interessanteste Umstellung war allerdings metereologischer Natur. Während in Südkorea bei frühlingshaften Temperaturen gerade die ersten Kirschblüten blühten, fand ich mich in Buenos Aires plötzlich mitten im Herbst wieder, wo die Bäume gerade ihre Blätter verlieren. Auch wenn ich in Asien über drei Monate lang immer Sonnenschein gehabt habe, war es ein komisches Gefühl, den Sommer zu überspringen.
In Buenos Aires habe ich gleich am ersten Abend gemerkt, warum viele diese Stadt so lieben. Im Hostel fragte mich eine Holländerin, die bereits seit zwei Monaten vor Ort ist, ob ich mit auf eine WG-Party kommen möchte und so fand ich mich kaum Stunden nach meiner Ankunft in einer Künstlerwohnung wieder, wo elektronische Musik lief. Im Anschluss ging es noch in einen Club, der mich künstlerisch und musikalisch sehr stark an Berlin erinnerte. In den darauffolgenden Tagen pendelte sich eine Art Alltag ein mit Ausschlafen, Frühstück, etwas Sightseeing und anschließendem Sprachkurs. Am Abend standen ein paar Hausaufgaben sowie ein Bier in einer Bar mit ein paar anderen Reisenden auf dem Plan, die ein ähnliches Programm wie ich absolvierten. Es war eine entspannte Zeit, die gut tat nach dem eher straffen Programm in Asien.
Herbstwetter in Südamerika

Die Entdeckung der Stadt brachte ein paar neue Erkenntnisse hervor, allen voran die Tatsache, wie stark der gesamte Kontinente durch Einwanderer aus Europa und Afrika geprägt war. Diese Entwicklung vollzog sich parallel zu den Vereinigten Staaten und schloss mit der Bildung der Nationalstaaten Anfang des 19. Jahrhunderts ab, die unabhängig von Spanien und Portugal wurden. Im 19. Jahrhundert war nicht nur New York die verheißungsvolle Stadt, sondern auch Buenos Aires verzeichnete ähnliche Zustromraten. Ähnlich wie in den USA waren es die schier unendlich erscheinenden Ressourcen, die Menschen aus dem engen Europa anlockten und eine verheißungsvolle Zukunft versprachen. Ganz abkoppeln konnten sich die Neuankömmlinge dabei allerdings nicht, denn in Buenos Aires fingen Ende des 19. Jahrhunderts viele reiche Familien an, ihre Häuser im Stile europäischer Architektur zu bauen. Die Stadt ist eine wahre Sammlung alter europäischer Stile aus verschiedenen Epochen und Nationen, meist in direkter Nachbarschaft, was manchmal recht kurios ausschaut. Das Schöne dabei ist, dass jedes Viertel seinen ganz eigenen Charakter hat. So vereint das Viertel San Telmo eher die traditionell südamerikanische Architektur und ist ein Hort von Künstlern und Musiker, während Viertel wie Ricoleta oder Palermo äußerst modern und nahe am europäischen Stil sind. Noch heute sagt man, dass Buenos Aires die europäischste Stadt Südamerikas ist.

Klassische, europäisch angehauchte Architektur

Friedhof im wohlhabenden Stadtteil Ricoleta 

Stadion des berühmten Vereins La Boca

Wunderschöne Parks in Ricoleta

Das bunte Südamerika im Stadtteil Boca

Die Uferpromenade direkt unterhalb von Downtown

Gegen Ende meines Aufenthalts in der verheißungsvollen Stadt habe ich nochmal einen kurzen Abstecher nach Uruguay gemacht, welches circa eine Fährstunde von Buenos Aires auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht entfernt liegt. Die dortige Stadt Colonia hat eine wunderschöne Altstadt aus der Kolonialzeit, die mir sehr gut gefallen hat und weniger nach Europa aussieht. Am nächsten Tag bin ich wieder zurück per Fähre und direkt in den Bus zur nächsten Station, den berühmten Iguazu-Wasserfällen am Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien.


Idyllische Stadt Colonia in Uruguay

Die Altstadt ist sehr gut erhalten

Das berühmte Asadogrill-Menü für eine Person

Die Iguazufälle gehören zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Erde. Mit über 80 Meter Fallhöhe auf 2,5 Kilometer Länge gehören sie zu den wasserreichsten Fällen der Welt. Bereits die Busfahrt dahin war ein schönes Erlebnis. 1.300 Kilometer in nur 15 Stunden hat in Asien kein Bus geschafft. Hinzu kam, dass es in Südamerika Schlafbusse gibt, wo man eine Menge Beinfreiheit hat und in denen man die Sitze fast (Semi-Cama) oder ganz liegend (Cama) einstellen kann. Es war meine erste Busfahrt über Nacht, in der ich regelrecht ausgeruht angekommen bin. Das Highlight bei den Iguazufällen war definitiv die Bootsfahrt am Fuße der Fälle, wo man komplette geduscht wurde. Aber auch der Ausblick von der oberen Plattform, dem sogenannten "Teufelsschlund" war atemberaubend. Hier sind ein paar Impressionen von diesem Tag - ein Naturschauspiel, das auf jeden Fall eine Reise wert ist:

1.300 Kilometer per Bus in den Norden Argentiniens

Blick auf die eine Hälfte des Wasserfalls

Man muss die Natur spüren :D

Blick von oben auf den "Teufelsschlund"

Von Iguazú aus ging es dann per Flugzeug weiter in die zweitgrößte Stadt des Landes, Córdoba. Man unterschätzt manchmal die Entfernungen, denn diese Etappe wären sonst mehr als 1.500 Kilometer gewesen. Córdoba ist eine Stadt mit über zehn Universitäten und damit überproportional mit Studenten bevölkert. Ursprünglich wollte ich nur wenige Stunden in der Stadt verbringen, da am nächsten Morgen mein Weiterflug nach Mendoza geplant war, jedoch wurde dieser wieder mal storniert aufgrund schlechten Wetters. Da am nächsten Morgen keine Aussicht auf Besserung bestand, habe mich entschlossen, per Bus weiterzufahren. Vor diesem Hintergrund hatte ich einen ganzen Tag in der Stadt, die mir ziemlich gut gefallen hat.

Cordoba - zweitgrößte Stadt Argentiniens

Eine durchaus studentisch geprägte Stadt

Interessante Halfpipe- / Skatingkonstruktion

Der letzte Stop meiner Reise führte mich in die Weinstadt Mendoza, im Westen Argentiniens direkt an den Füßen der Anden. Sie machte den bisher entspanntesten Eindruck. Hier habe ich nochmal etwas Kraft getankt und die Fülle der Region genossen. Ein kleiner Abstecher in die Berge, eine Radtour durch mehrere Weinereien, ein vom Hostel organisiertes Grillen am Abend (sog. Asado) sowie mein erster Paragliding-Flug direkt an den Ausläufern der Anden bildeten den perfekten Abschluss und gleichzeitig Einstimmung auf den nächsten Teil der Reise: die Strecke von Santiago bis Lima mit meinem nächsten Bruder Johannes! 


Der Mendoza-Fluss bei Potrerillos

Mendoza ist eine Weingegen mit über 1.000 Weingütern

Erkundung der Weingüter per Fahrrad

Wahrscheinlich das beste Steak auf meiner Reise

Zum Abschluss noch ein Paraglyding-Flug am Fuße der Anden


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