Samstag, 28. Februar 2015

Auf den Spuren der Khmerkultur

Mit Kambodscha hatte ich mich vor Abreise relativ wenig auseinandergesetzt - einzige Ausnahme: Angkor Wat (übersetzt: Tempelstadt). Eine spannende ZDF-Dokumentation über die legendäre Tempelanlage hat schon seit einiger Zeit mein Interesse geweckt und so bildete Siem Reap, zweitgrößte Stadt des Landes und Ausgangspunkt zur Erkundung von Ankor Wat, meine erste Station.
Bereits vor meiner Abreise hat mich die Entstehung, die ungeheure Dimension, sowie die Geschichte der "Wiederentdeckung" (zumindest für den Großteil der Welt) der damaligen Hauptstadt des Khmer-Reichs fasziniert. In etwa gleichzeitig zur Gründung der burmesischen Hauptstadt Bagan bauten die Khmer vom 11.-13. Jahrhundert ebenfalls eine riesige Stadt mit etlichen Tempelanlagen. Angkor war Vorreiter dieser Entwicklung und einer der größten Städte der damaligen Zeit, im Zentrum ein Tempel mit einer beachtlichen Außenanlage von fast 1,5 x 1,5 Kilometer Länge und einer Gesamthöhe von 65 Meter. Doch nicht nur der Tempel war Bestandteil der Stadt, sondern auch ein umfassendes Bewässerungssystem, inklusive zweier von Hand angelegten Wasserspeicher von 8x4 Kilometer Länge (der so genannte Ost- und Westbaray), kilometerlanger Kanäle, um u.a. Reisanbau zu betreiben, sowie umfassende Maueranlagen zum Schutz vor Angriffen. Die Khmer haben durch geschickte Bewässerung die Anzahl der Reisernten von einer auf drei pro Jahr erhöht und sind damit zu einigem Reichtum gekommen. Darauffolgende Herrscher haben sogar noch weitere Tempelanlagen errichtet, von denen einige sogar noch größer ausfielen, jedoch blieb Angkor Wat als Ursprungstempel immer Namensgeber der Region.
Ich habe die Anlagen zusammen mit einem brasilianischen Mitreisenden per Tuk-Tuk erkundet. 4:30 Uhr standen wir dazu auf, um rechtzeitig den Sonnenaufgang zu sehen. Leider waren wir mit dieser Idee nicht allein. Als wir am Angkor Wat-Tempel ankamen, standen hunderte weitere Touristen an, um sich für das optimale Foto eine  prominenten Platz am Ufer eines Teiches zu sichern. Leicht geschockt entschlossen wir uns, erstmal in den noch dunklen Tempel zu gehen, was eine sehr surreale Erfahrung war und sich nach Indiana Jones angefühlt hat, wie wir in den dunklen Räumen mit nur minimalem Licht herumkletterten. Die Stimmung war mystisch-faszinierend. Später sind wir dann wieder nach draußen gelaufen und haben unterschiedliche Bilder machen können:

Morgendämmerung im Angkor Wat (oder: "Allein im Angkor Wat")

Majestätisch erhebt sich das Angkor Wat vor Aufgang der Sonne

Sonnenaufgang über der ehemaligen Khmer-Hauptstadt

Nach Sonnenaufgang und einem ausgiebigen Frühstück in der Nähe haben wir eine Rundfahrt durch das sich circa 200 Quadratkilometer erstreckende Gebiet gestartet, die uns durch weitere, Tempelanlagen führte, unter anderem dem Bayon, der nach dem Zerfall Angkors der Mittelpunkt der neuen Hauptstadt Thom bildete oder der mystisch anmutende Tempel Ta Prohm, der unter anderem als Kulisse für den Film Tomb Raider diente. Die genaue Anzahl der existierenden Tempel wird auf circa 1000 geschätzt.

Ta Prohm - mit Bäumen verwachsen und Drehort des Films "Tomb Raider"

Einige Tempel sind bis zu 70 Meter hoch - zu erklettern bei 40 Grad und 80-90% Luftfeuchtigkeit

Die Aussicht war jedoch meist atemberaubend

Der Tempel Bayon, Zentrum der neuen Hauptstadt Thom nach dem Zerfall Angkors, nur wenige Kilometer entfernt

Nachfolgend noch ein paar weitere Tempelaufnahmen vom Tag:




Wir sind bis zum Sonnenuntergang geblieben, was angesichts der stehenden Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit eine Leistung war, denn die Sonne brannte die ganze Zeit und es wehte nicht der Hauch eines Lüftchens, was Klettertouren auf bis zu 70 Meter hohe Ebenen und hunderte Meter Fußweg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten. Die Touristen mit Fahrrad hatten es allerdings noch härter. Viele bereuten sicher die Wahl ihres Gefährts. Aus meiner Sicht hat sich die Anstrengung gelohnt: Atemberaubende Aussichten und die beeindruckende Erkundung der Überreste einer mittelalterlichen Hochkultur, wo laut aktuellen Forschungsberichten bis zu eine Million Menschen gelebt haben könnten, haben mich mehr als entschädigt. Nicht zuletzt der Sonnenuntergang hat den Tag perfekt abgerundet.

Gute Nacht, Angkor

Sonntag, 22. Februar 2015

Der burmesische Traum geht weiter

Nach den ersten imposanten Eindrücken des Landes in Yangon und Bagan ging es gemütlich per Schiff in die zweitgrößte Stadt des Landes: Mandalay. Es scheint eine Tour durch die ehemaligen Hauptstädte des Landes zu werden, denn alle drei Städte (Yangon, Bagan, Mandalay) stellten zeitweise das politische Zentrum des Landes. Im 11.-13. Jahrhundert bildete die Stadt Bagan mit ihren über 2.000 Tempelanlagen den Mittelpunkt des Reichs. Es war die Zeit der Einführung des Buddhismus und jeder Herrscher wollte den vorherigen beim Bau neuer Tempel überbieten. Zum Verhängnis wurde diese Strategie, als gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Mongolen in Birma einfielen und die Stadt eroberten. Eine miltärische Verteidigungsanlage fehlte völlig. Nach Abzug der Mongolen gelang es 1606 einem Nachkommen des ehemaligen Bagan-Königreichs, das Land wieder zu vereinen. Ein paar Jahre später übernahm eine andere Dynastie die Macht, welche den Sitz des Landes in die circa 120 Kilometer flussaufwärts gelegene Stadt Mandalay verlegte. Dort residierte der König in einem gigantischen Palast von fast vier Quadratkilometern (Außenmauern 2x2 km!). Ab 1852 musste sich dieser jedoch den Briten unterordnen und 1885 endgültig ausziehen, nachdem er mehrmals versuchte, die Unabhängigkeit Birmas wieder herzustellen. Im Zuge der vollständigen Eroberungs Birmas durch die Briten haben diese 1885 ihren Sitz in die Hafenstadt Yangon, circa 500 km südlich von Mandalay, verlegt. Nach der Unabhängigkeit Birmas blieb Yangon dieser Status erhalten. 2006 allerdings beschloss die Regierung, die völlig neu aus dem Boden gestampfte Stadt Naypidaw, zwischen Yangon und Mandalay gelegen, zum neuen machtpolitischen Zentrum des Landes zu machen. Die Gründe für diese Entscheidung sind schleierhaft. Eine Erklärung könnte sein, dass Naypidaw weit ab der großen Städte liegt und die Militärdiktatur sich dort sicherer fühlt. Die neue Hauptstadt haben wir nicht besucht. Angeblich kann man da üppige Shoppingzentren und sechsspurige Schnellstraßen bestauen, die jedoch kaum einer nutzt.
Route durch Myanmar
In Mandalay, der zweiten Station auf unserer "Hauptstadtrallye", gab es den Königspalast und ein paar idyllische Altstadtsiedlungen in der näheren Umgebung zu besichtigen. Höhepunkt war jedoch der Besuch eines buddhistischen Klosters, das circa 2.000 Mönche beherbergte. Das Mönchsein im Buddhismus sieht dabei etwas anders aus als im Christentum. Die meisten Mönche sind Jugendliche und junge Erwachsene, die für eine bestimmte Zeit (1-2 Monate) ins Kloster gehen, um in die Lehren des Buddhismus eingeweiht zu werden. Viele machen das in den Schul- oder Semesterferien. Dort leben sie dann nach dem buddhistischen Rhythmus, der vorsieht, dass man die rote Robe trägt, barfuß herumläuft, um 4:00 Uhr früh aufsteht und dann stundenlang meditiert. Gegen 11:00 Uhr gibt es dann die zweite und letze Mahlzeit des Tages. Zwischendurch gibt es auch noch Lehren von Priestern Mönchen und jeder hat eine praktische Aufgabe, wie Hof fegen oder abwaschen. Wir haben uns die Mittagsspeisung der Mönche angeschaut, was sehr interessant war, jedoch auch ein merkwürdiges Bild abgegebenen hat, wenn man sich als Tourist direkt neben die wartenden Mönche aufstellt.
Buddhistische Mönche warten an der Essensausgabe eines Klosters in Mandalay

Außenmauern des ehemaligen Königspalastes in Mandalay

Sonnenuntergang an der längsten Holzbrücke der Welt (aus Teakholz)

Tempelanlage auf einem Hügel bei Mandalay

Von Mandalay aus ging es per Bus (6 h) zu einem kurzen Zwischenstopp in die Berge rund um den Ort Kalaw. Auf einer halbtägigen Wanderung liefen wir an Feldern (vor allem Blumenkohl) vorbei, schauten uns eine Grundschule an und genossen den kühlen Ausblick in die Täler. Ich wäre gern noch länger geblieben und hätte die dreitägige Wanderung an den berühmten Inlesee gemacht. Dafür war jedoch keine Zeit. Per Bus ging es daher weiter.
Wandern in der Gegend um
 Kalaw

Kurzbesuch einer Grundschule in Kalaw

Der Inlesee war mein landschaftliches Highlight in Myanmar. In der Trockenzeit ist er relativ flach, so dass sich Uferstreifen, Wasserwege und kleinste Inseln mit einzelnen Dörfern abwechseln. In der Regenzeit schwillt der See jedoch auf mehrere Meter Wassertiefe an, so dass sich über 70 Dörfer auf einmal mitten im Wasser befinden. Aus diesem Grund sind alle Häuser auf Stelen von bis zu fünf Meter gebaut und sämtliche Zugangswege sind nur über Wasserstraßen möglich. Einen Eindruck davon bekommt man auch in der derzeitigen Trockenperiode, wo wir eine einprägsame Tagestour durch verschiedene Dörfer per Boot unternahmen inklusive Stopps bei einer Zigarrenfabrik, einer Seidenweberei, einem Tempel und Mittag fünf Meter über dem Wasser in einem Restaurant. Hier ein paar Eindrücke:
Häuser auf Stelzen im Inlesee

Kleine, schwimmende Inseln auf dem Inlesee

Mit dem Boot geht es durch die surreale Seelandschaft

Nach fast zwei bewegenden Reisewochen durch das Land Myanmar hieß es Abschied nehmen von der Reisegruppe, mit der ich viele unterhaltsame Stunden durchlebt habe. Bei einem Glas burmesischen Wein konnte man die Erlebnisse nochmal Revue passieren lassen, bevor es am nächsten Morgen per Flieger zurück nach Yangon ging. Während die anderen das Land wieder verließen, habe ich mich entschlossen, noch ein bisschen zu bleiben und westwärts an eine der imposanten Strände von Myanmar gefahren: Ngwe Saung Beach. Direkt am Golf von Andamen gelegen und ganze 15 Kilometer lang bot er feinsten Sand und nur sehr wenige Touristen. Es gab zwar einige Hotelresorts, diese sind jedoch recht klein gehalten und erstrecken sich lediglich am nördlichen Rand rund 2-3 Kilometer. Weiter südlich war es beinahe menschenleer mit Ausnahme vom ein paar, wenigen Einheimischen. Die Konsistenz des Sandes erlaubte es, den Strand per Fahrrad zu erkundigen, ohne einzusinken, was mich veranlasste nach zwei Tagen in der Sonne liegend am dritten Tage die 15 Kilometer südwärts hin- und wiederzurückzuradeln - ein umwerfendes Erlebnis. Danach ging es wieder auf sechs Stunden Busfahrt zurück nach Yangon.
Blick vom Hotel aus

Radtour am Strand

Rückblickend hat mich das Land in seinen Bann gezogen. Es ist Asien pur mit nur einem geringeren touristischen Anstrich. Für mich sind es die freundlichsten Menschen Asiens, vor allem die Kinder, die einem bei jeder Gelegenheit ein (hoch)erfreutes "Mingalaba" (Hallo) zuriefen und zuwinkten. Trotz der teilweise großen Armut konnte man von Ihnen immer ein Lächeln erhaschen. Außerdem bietet das Land Gelegenheiten für beeindruckende Bilder, ob in Bagan, Mandalay, den Bergen von Kalaw, dem Inlesee oder an den Stränden. Überall begangenem einem imposante Landschaften, meist verknüpft mit einem romantischen Sonnenauf- und/oder -untergang. Auf der anderen Seite steht das Land noch vor großen Herausforderungen, vor allem politisch, infrastrukturell und im sozialen Bereich. Politisch steht das vor vier Jahren gegeben Versprechen nach freien und fairen Wahlen noch immer aus, wobei sich bereits einiges getan hat, zum Beispiel bei der Verfolgung von Oppositionellen. Infrastrukturell besitzt Myanmar ein extrem veraltetes Eisenbahn- und Straßensystem, wobei letzteres bemerkenswert ist, da man für fast jeden Kilometer Straße Maut zu entrichten hat. Die Straßen sind extrem schmal und weisen viele Schlaglöcher auf, was eine Herausforderung ist, wenn sich mal zwei LKW begegnen. Im sozialen Bereich fällt auf, dass extrem viele Kinder arbeiten. Ob im Restaurant, beim Verkauf von Souveniren an Touristen oder auch auf dem Feld müssen viele mit anpacken, damit die Familien über die Runden kommen. Nicht immer können sie daher in die Schule gehen - aus Zeit- als auch aus Geldgründen. Ich habe mich sehr oft unwohl gefühlt, wenn ich ein Essen von einem Minderjährigen serviert bekomme.
Nichtsdestrotz ist das Land eine Reise wert und die Hoffnung bleibt, dass sich die langsame Öffnung langfristig positiv auf die Lebensumstände der Bevölkerung auswirkt. Ich komme auf jeden Fall gern wieder!

Freitag, 6. Februar 2015

Myanmar - ein Land im Erwachen

Auf Myanmar habe ich mich ganz besonders gefreut. Nach jahrzehntelanger Militärdiktatur führt das Land seit einigen Jahren einen Prozess der Öffnung nach außen durch. Die Zahl der Touristen steigt dabei kontinuierlich an, von circa 800.000 in 2011 auf über 2 Millionen im Jahr 2013. Bei über 50 Millionen Einwohnern stellen diese zwar immer noch einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung dar, allerdings wird die touristische Infrastruktur beständig ausgebaut, so dass Myanmar nicht mehr ganz als Geheimtipp betrachtet werden kann.
Auf den ersten Blick macht die größte Stadt Rangun einen sauberen (im Vergleich zu Indien), offenen und ausgelassenen Eindruck. Es gibt unzählige neue Mittelklassewagen auf den Straßen, obwohl der Import von PKW erst seit vier Jahren erlaubt ist. Myanmar ist wohl auch das einzige Land in der Welt, in dem auf der rechten Seite gefahren wird, die Autos allerdings für Linksverkehr ausgelegt sind. Das liegt daran, dass die meisten Autos aus Thailand stammen, wo Linksverkehr herrscht. Sprachlich kommt man mit Englisch zurecht, dank des Erbes als ehemalige britische Kolonie.

Straßenansicht nahe des Zentrums von Rangun

Ein Straßenverkäufer in Rangun

Rangun ist das Zentrum des Landes, jedoch seit 2006 nicht mehr offizielle Hauptstadt. In religiöser Hinsicht steht hier eines der größten buddhistischen Pagodas (kegelförmige Denkmäler), das Shwedagoda Pagoda. Über 100 m hoch und komplett mit Gold überzogen, ist es an der Spitze mit Diamanten besetzt. Rund herum gibt es eine Ansammlung von kleineren Tempeln zum Meditieren. Ein interessanter Ort, der jedoch von den Touristenströmen regelrecht überrannt wird. Inmitten von betenden Gläubigen läuft man durch die Anlage. Ein Sicherheitsmann versichert mir jedoch, dass es okay ist, zwischen den Gläubigen herumzulaufen und Fotos zu machen. Eine sehr rücksichtsvolle Religion, der Buddhismus.

Shwedagoda Pagoda (wird gerade restauriert)

Ansammlung von kleineren Tempeln rund um das Shwedagoda Pagoda

Thursday Corner - alle, die an einem Donnerstag geboren sind, können hier Wasser über Buddha gießen

Am zweiten Tag in Rangun bin ich dann zu meiner Gruppe gestoßen, mit der ich in den nächsten zwölf Tagen durch das Land reisen werde. In Myanmar probiere ich mal eine Gruppenreise aus. Ich habe mich ein wenig umgeschaut und bin auf Gecko-Reisen gestoßen, die Touren für jüngere Leute organisieren. Man hat einen Guide, reist aber trotzdem im günstigen Preissegment durch das Land. So begann die Reise mit einer 20-stündigen Zugfahrt von Rangun nach Bagan, circa 500 km im Norden. Die Zugfahrt war eines der abgefahrendsten Bahnerlebnisse meines Lebens. Trotz Erfahrungen in der Ukraine, Thailand und Indien war ich sichtlich überrascht, dass die Bahnstrecke überhaupt noch freigegeben ist. Die Fahrt glich eher dem Reiten eines Pferdes, was keinesfalls übertriebe ist. Das Bier im Speisewagen musste man die ganze Zeit festhalten, damit es nicht vom Tisch fällt und es galt laut zu sprechen, da sonst die metallenen Fahrgeräusche jedes Gespräch übertönen. Mit wenig Schlaf und leicht "seekrank" kamen wir dennoch wohlbehalten in Bagan an.
Bagan ist wirklich beeindruckend. Über 2.000 Tempel wurden hier im Laufe des 11.-13. Jahrhunderts mit der Einführung des Buddhismus in Birma erbaut. Die Stadt war damals größer als London. Einen Einblick davon erhält man am besten, wenn man sich in die Luft erhebt und die Dinge von oben betrachtet. Eine Ballonfahrt bot dazu die perfekte Gelegenheit mit imposantesten Anblicken, die ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen werde. Hier ein paar Ansichten:



Sonnenaufgang über Bagan

Im Anschluss haben wir uns die Tempel auch aus nächster Nähe angeschaut:


Sonnenuntergang in Bagan







Donnerstag, 5. Februar 2015

Rajasthan, der Wüstenstaat Indiens

Nach einer ereignisreichen Woche des Wiedersehens in Mumbai habe ich mich entschlossen, mir einen Teil Indiens anzuschauen, den ich bislang noch nicht gesehen habe: Rajasthan, auch der Wüstenstaat genannt im Norden Indiens. Aufgrund der Lage südlich des Kaschmirs und des Himalaya war dieses Gebiet traditionell das Einfallstor jeglicher Eroberer von Indien. Aus diesem Grund gibt es hier eine Menge Festungsanlagen, aber auch viele reiche Städte, da in Friedenszeiten hier der Handel mit dem Nahen Osten (und weiter nach Europa) blühte. In den verbleibenden vier Tagen in Indien führte mich die Reise in die Städte Jaisalmer (150 km von der pakistanischen Grenze) und Jodhpur mit dem berühmten, riesigen Meherangarh-Fort.
Im Vergeich zu anderen Regionen ist Rajasthan touristisch sehr gut erschlossen. Es gibt eine Menge Hotels, Restaurants, Tourguides und alle Highlights sind gut erreichbar. Von Delhi fährt täglich mehrmals ein Zug über Jaipur und Jodhpur bis nach Jaisalmer und es gibt auch zahlreiche Busverbindungen. Man kann auch Komplettpakete buchen inklusive persönlichen Fahrer und Guide, wenn man sich nicht unbedingt mit der lokalen indischen Bürokratie auseinandersetzen will.
Jaisalmer liegt mitten in der Wüste und hat wie viele der Städte der Region ein ansehnliches Fort, das auf einem Hügel gebaut ist. Dass es dieser Stadt mal richtig gut ging, sieht man an den zahlreichen Villen rund um das Fort (sog. Havelis), die meist mehrstöckig und mit reichlich Kunstverzierungen (Marmor, Edelsteine, Elfenbein) versehen sind. Auch gibt es in der gesamten Altstadt ein Abwassersystem, das für damalige Verhältnisse recht fortschrittlich war.

Fort Jaisalmer

Eine Haveli (Villa) aus dem 19. Jahrhundert in Jaisalmer

Highlight dieser Station war die Übernachtung in einem der Wüstencamps außerhalb der Stadt, inklusive eines Kamelritts im Sonnenuntergang. Am Abend gab es noch ein Kulturprogramm mit Rajasthan-Musik, das ich eher aus Alternativlosigkeit besuchte. Außerdem konnte man sich der Musik in den Wüstenzelten kaum entziehen. Ich war der einzige "West'ler" weit und breit und da nicht alle Inder den Anblick von allein reisenden Personen gewohnt sind, wurde ich sogleich von einem Pärchen "adoptiert", mit dem ich mich nett unterhalten habe.

Kamelreiten in den Dünen Rajasthans (nahe Jaisalmer)

Sonnenuntergang in der Wüste

Am nächsten Morgen ging es dann nach Jodhpur, der "blauen Stadt", wie sie auch genannt wird aufgrund der blau bemalten Häuser in der Altstadt. Das Highlight dieser Stadt ist jedoch das über allen Häusern thronende Meherangarh-Fort, das mich an eine Supersize-Ausgabe der Festung Königstein in der Sächsichen Schweiz erinnerte. Ich habe in meinem Leben noch nicht solch ein großes Fort gesehen. Auf einem 100 m hohen Felsen erhebt sich die Festung und ist bereits von weitem unübersehbar. Das Fort wurde mit Beginn der Stadtgründung Jodhpurs 1459 erbaut. Die heutige Bausubstanz stammt jedoch aus den 17. Jahrhundert.

Meherangarh Fort in Jodhpur

Blick auf die Altstadt mit den blau angemalten Häusern vom Fort 
Meherangarh

Am Aufgang sprang mir ein interessantes Angebot ins Auge. Rund um das Fort gab es einen Seilparcours, den man absolvieren konnte. Nachdem ich gelesen habe, dass das "Equipment imported from France" ist, war ich vollends überzeugt und glücklicherweise noch spontan ein Platz frei. Insgesamt sechs Abgründe gab es zu überwinden mit einer tollen Aussicht auf das Fort. Es hat riesen Spaß gemacht und ich kann es nur jedem empfehlen. Sogar eine Szene von "Batman 3 - The Dark Knight Rises" wurde hier gedreht.

Seilparcours um das 
Meherangarh Fort in Jodhpur

Am nächsten Tag war dann der kurze Ausflug in den Norden Indiens dann auch schon wieder zu Ende und es begann eine fast 24-stündige Reise per Flugzeug von Jodhpur über Mumbai und Bangkok nach Rangun in Myanmar, jeweils mit bis zu sechs Stunden Aufenthalt. Sehr übermüdet bin ich wohlbehalten eingetroffen und trotz der Vorfreude auf das Kommende traurig, dass die Zeit in Indien schon wieder vorbei ist.