Mittwoch, 13. Mai 2015

Chile - 4.500 Kilometer pure Schönheit

Nach den entspannten Tagen in Argentinien sollte in Chile wieder Fahrt aufgenommen werden, denn mein Bruder hatte sich angekündigt. In insgesamt 3,5 Wochen wollten wir die Strecke von Santiago nach Lima bewältigen - ein straffes Programm.
Chile begrüßte mich gleich zu Beginn mit einer atemberaubenden Landschaft. Die sechs Stunden Busfahrt von Mendoza nach Santiago sollte man unbedingt am Tag machen, denn das Panorama mit bis zu 6.000 m hohen Bergen ist atemberaubend. Die Grenze zwischen Argentinien und Chile befindet sich auf mehr als 3.300 Meter Höhe mitten in einem Tunnel. Durch einen glücklichen Zufall saß ich in einem Doppelstock-Reisebus oben ganz vorn, so dass ich die beste Sicht hatte:

Fahrt in Richtung Chile - im Hintergrund die Anden, die es zu überwinden galt

Auf 3.000 Meter Höhe über die Anden


Nach Ankunft von meinem Bruder erkundeten wir vier Tage lang die Stadt, welche im Vergleich zu Buenos Aires einen eher US-amerikanischen Eindruck machte mit großen Glasbürotürmen, einem gut ausgebauten Autoverkehrsnetz sowie Fast Food an jeder Ecke. Man sagt, es ist die wohlhabendste Stadt auf dem Kontinent. Chile gilt bei den Vereinten Nationen als einziges entwickeltes Land in Südamerika. Wir haben uns größtenteils in den wohlhabenderen Vierteln Los Condes und Providencia sowie in Downtown aufgehalten, wo es jedoch einiges zu sehen gab. Auffallend hoch scheint in diesen Gegenden der deutsche Einfluss zu sein. Die größte und renommierteste Klinik des Landes heißt "Clinic Alemania", daneben befindet sich direkt ein deutscher Country Club, eine amüsante Kombination, wenn man bedenkt, dass die Clubs doch eher britischen Ursprungs sind. Daneben gibt fünf deutsche Schulen, wo man das Abitur erwerben kann sowie zahlreiche Bars und Restaurants mit Namen, wie "Ilmenau" oder das "Fritz Haus". Im Fahrstuhl im Apartmentkomplex einer Bekannten trafen wir zufällig eine weitere deutschsprachige Bewohnerin, die aus dem Süden Chiles stammte.

US-amerikanisch geprägte Stadt, inklusive Smog-Nebel

Historische Altstadt in Santiago de Chile

Deutscher Country Club im Stadtteil Los Condes

Santiago liegt auf einer Hochebene an den Füßen der Anden, circa 150 Kilometer vom pazifischen Ozean entfernt. Um dennoch mal ans Meer zu gelangen, haben wir einen Tagesausflug in die kleinere Hafenstadt Valparaiso gemacht. In den Randbezirken macht sie zwar einen etwas heruntergekommenen Eindruck, im Zentrum erstrahlt jedoch eine reizvolle Altstadt, die mit bunten Farben und ästhetischer Straßenkunst aufwartet. Dabei ergeben sich schöne Aussichten von den zahlreichen Erhebungen in der Stadt, die man bequem mit diversen Berglifts (Ascensor) erreichen kann. Es hat wirklich Spaß gemacht, die zahlreichen Erhebungen (sog. Cerros) zu erklimmen und dabei verwinkelte Straßen und künstlerische Bilder zu erkunden.

Blick auf den Hafen von Valparaiso, circa zwei Stunden von Santiago entfernt

Street Art überall

Wundervoll gestaltete Straßen...

...und Häuser

Den vierten und letzten Tag haben wir dann wieder in Santiago verbracht, bevor es weiter ging per Flieger in die 1.500 Kilometer nördlich gelegene Stadt San Pedro, inmitten der Atacamawüste. Die Wüste gilt als eines der trockensten Orte der Erde. In circa 2.500 Meter Höhe gelegen und komplett von bis zu 6.000 Meter hohen Bergen umgeben gelangen hier nur selten Winde, Wolken oder sogar Regen hin. Über 300 Tage ohne Wolken und einige Wetterstation haben seit Beginn der Aufzeichnung noch keinen einzigen Tropen Regen registriert. Um so kurioser wirkten daher die Berichte, dass gut vier Wochen zuvor "heftige Regenfälle" mit Niederschlagsmengen, die sonst nur innerhalb von 14 Jahren fallen, für einige Überschwemmungen sorgten. Als wir ankamen, hat man davon jedoch nichts mehr gesehen und bis auf wenige, zarte Wolken am Himmel war die gesamte Zeit niederschlagsfrei.
Wer jetzt denkt, dass dieser Ort eher langweilig und komplett ohne Leben daherkommt, irrt gewaltig. Erstaunlicherweise bot dieser Ort eines der abwechslungsreichsten Landschaften, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Von rauchenden Geysiren auf 4.500 Meter Höhe, über riesige Salzlagunen, rotes Gestein mit weißer Salzkruste überzogen sowie Schnee in den bis zu 6.000 hohen Berggipfeln deckt Atacama eine beeindruckende Bandbreite an Orten ab. Auch hinsichtlich Temperatur war alles dabei von -15 bis +25 Grad an einem Tag, das heißt am Morgen waren Wollsocken, Schal und etliche Lagen an Pullover und Jacke notwendig, während man am späten Nachmittag mit kurzen Hosen und T-Shirt herumlaufen konnte.

Geysire und Vulkane bei -10 Grad am Morgen auf 4.000 Meter Höhe

Alpakas scheinen sich hier wohlzufühlen

Flamingos treffen wir überall

Das Mondtal mit roten Gestein und einer jahrtausendealten Salzkruste

Der trockenste Platz der Erde

Eine der vielen Lagunen (im Hintergrund: ein Auto dass wohl etwas zu weit in den See gefahren ist)

Unbestrittenes Highlight war dabei die Tour an unserem letzten Tag in Chile: die Besteigung des aktiven Vulkans Lascar. Als Voraussetzung war eine Akklimatisierung auf Höhen von 3.500-4.000 Meter unablässig, die wir jedoch durch den Aufenthalt in den letzten Tagen erreicht hatten. Am frühen Morgen fuhren wir per Jeep an den Fuß des Berges, wo wir bei -10 Grad ein kleines Frühstück einnahmen. Danach ging es auf circa 4.900 Meter mit dem Auto, wo die Luft bereits sehr dünn wurde. Die verbleibenden 700 Meter liefen wir dann in einem konstantem Tempo, das langsam genug war, damit sich der Körper auf die neue Höhe einstellen konnte. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man aus der Puste kommen kann. Im Mittelgebirge wären wir ähnliche Steigungen hoch gerannt, hier ist es unbedingt angebracht, quasi in Zeitlupe zu wandern. Laut unserem Guido ändert sich dieses Tempo auch nicht groß bei Extrembergsteigern. Lediglich die Zeit zwischen den Pausen wird größer. Nach knapp drei Stunden erreichten wir dann etwas beseelt, aber überaus glücklich den Gipfel des Vulkans in 5.600 Meter Höhe. Ich war noch nie annähernd so hoch gewesen und es war ein extrem glückliches Gefühl, die Aussicht zu genießen. Nach weiteren 1,5 Stunden waren wir dann wieder am Auto und es ging wieder zurück nach San Pedro, das auf 2.500 Meter Höhe liegt. Wir haben an diesem Tag also über 3.000 Höhenmeter überwunden!

Frühstück bei -10 Grad auf 4.300 Metern - der Blick entschädigt

Jetzt geht es weiter zu Fuß

Der Aufstieg ging nur langsam voran aufgrund der Höhenluft

Geschafft - angekommen auf 5.600 Höhenmeter


Auf diesen Berg sind wir gestiegen






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