Freitag, 6. Februar 2015

Myanmar - ein Land im Erwachen

Auf Myanmar habe ich mich ganz besonders gefreut. Nach jahrzehntelanger Militärdiktatur führt das Land seit einigen Jahren einen Prozess der Öffnung nach außen durch. Die Zahl der Touristen steigt dabei kontinuierlich an, von circa 800.000 in 2011 auf über 2 Millionen im Jahr 2013. Bei über 50 Millionen Einwohnern stellen diese zwar immer noch einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung dar, allerdings wird die touristische Infrastruktur beständig ausgebaut, so dass Myanmar nicht mehr ganz als Geheimtipp betrachtet werden kann.
Auf den ersten Blick macht die größte Stadt Rangun einen sauberen (im Vergleich zu Indien), offenen und ausgelassenen Eindruck. Es gibt unzählige neue Mittelklassewagen auf den Straßen, obwohl der Import von PKW erst seit vier Jahren erlaubt ist. Myanmar ist wohl auch das einzige Land in der Welt, in dem auf der rechten Seite gefahren wird, die Autos allerdings für Linksverkehr ausgelegt sind. Das liegt daran, dass die meisten Autos aus Thailand stammen, wo Linksverkehr herrscht. Sprachlich kommt man mit Englisch zurecht, dank des Erbes als ehemalige britische Kolonie.

Straßenansicht nahe des Zentrums von Rangun

Ein Straßenverkäufer in Rangun

Rangun ist das Zentrum des Landes, jedoch seit 2006 nicht mehr offizielle Hauptstadt. In religiöser Hinsicht steht hier eines der größten buddhistischen Pagodas (kegelförmige Denkmäler), das Shwedagoda Pagoda. Über 100 m hoch und komplett mit Gold überzogen, ist es an der Spitze mit Diamanten besetzt. Rund herum gibt es eine Ansammlung von kleineren Tempeln zum Meditieren. Ein interessanter Ort, der jedoch von den Touristenströmen regelrecht überrannt wird. Inmitten von betenden Gläubigen läuft man durch die Anlage. Ein Sicherheitsmann versichert mir jedoch, dass es okay ist, zwischen den Gläubigen herumzulaufen und Fotos zu machen. Eine sehr rücksichtsvolle Religion, der Buddhismus.

Shwedagoda Pagoda (wird gerade restauriert)

Ansammlung von kleineren Tempeln rund um das Shwedagoda Pagoda

Thursday Corner - alle, die an einem Donnerstag geboren sind, können hier Wasser über Buddha gießen

Am zweiten Tag in Rangun bin ich dann zu meiner Gruppe gestoßen, mit der ich in den nächsten zwölf Tagen durch das Land reisen werde. In Myanmar probiere ich mal eine Gruppenreise aus. Ich habe mich ein wenig umgeschaut und bin auf Gecko-Reisen gestoßen, die Touren für jüngere Leute organisieren. Man hat einen Guide, reist aber trotzdem im günstigen Preissegment durch das Land. So begann die Reise mit einer 20-stündigen Zugfahrt von Rangun nach Bagan, circa 500 km im Norden. Die Zugfahrt war eines der abgefahrendsten Bahnerlebnisse meines Lebens. Trotz Erfahrungen in der Ukraine, Thailand und Indien war ich sichtlich überrascht, dass die Bahnstrecke überhaupt noch freigegeben ist. Die Fahrt glich eher dem Reiten eines Pferdes, was keinesfalls übertriebe ist. Das Bier im Speisewagen musste man die ganze Zeit festhalten, damit es nicht vom Tisch fällt und es galt laut zu sprechen, da sonst die metallenen Fahrgeräusche jedes Gespräch übertönen. Mit wenig Schlaf und leicht "seekrank" kamen wir dennoch wohlbehalten in Bagan an.
Bagan ist wirklich beeindruckend. Über 2.000 Tempel wurden hier im Laufe des 11.-13. Jahrhunderts mit der Einführung des Buddhismus in Birma erbaut. Die Stadt war damals größer als London. Einen Einblick davon erhält man am besten, wenn man sich in die Luft erhebt und die Dinge von oben betrachtet. Eine Ballonfahrt bot dazu die perfekte Gelegenheit mit imposantesten Anblicken, die ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen werde. Hier ein paar Ansichten:



Sonnenaufgang über Bagan

Im Anschluss haben wir uns die Tempel auch aus nächster Nähe angeschaut:


Sonnenuntergang in Bagan







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