Mit Kambodscha hatte ich mich vor Abreise relativ wenig auseinandergesetzt - einzige Ausnahme: Angkor Wat (übersetzt: Tempelstadt). Eine spannende ZDF-Dokumentation über die legendäre Tempelanlage hat schon seit einiger Zeit mein Interesse geweckt und so bildete Siem Reap, zweitgrößte Stadt des Landes und Ausgangspunkt zur Erkundung von Ankor Wat, meine erste Station.
Bereits vor meiner Abreise hat mich die Entstehung, die ungeheure Dimension, sowie die Geschichte der "Wiederentdeckung" (zumindest für den Großteil der Welt) der damaligen Hauptstadt des Khmer-Reichs fasziniert. In etwa gleichzeitig zur Gründung der burmesischen Hauptstadt Bagan bauten die Khmer vom 11.-13. Jahrhundert ebenfalls eine riesige Stadt mit etlichen Tempelanlagen. Angkor war Vorreiter dieser Entwicklung und einer der größten Städte der damaligen Zeit, im Zentrum ein Tempel mit einer beachtlichen Außenanlage von fast 1,5 x 1,5 Kilometer Länge und einer Gesamthöhe von 65 Meter. Doch nicht nur der Tempel war Bestandteil der Stadt, sondern auch ein umfassendes Bewässerungssystem, inklusive zweier von Hand angelegten Wasserspeicher von 8x4 Kilometer Länge (der so genannte Ost- und Westbaray), kilometerlanger Kanäle, um u.a. Reisanbau zu betreiben, sowie umfassende Maueranlagen zum Schutz vor Angriffen. Die Khmer haben durch geschickte Bewässerung die Anzahl der Reisernten von einer auf drei pro Jahr erhöht und sind damit zu einigem Reichtum gekommen. Darauffolgende Herrscher haben sogar noch weitere Tempelanlagen errichtet, von denen einige sogar noch größer ausfielen, jedoch blieb Angkor Wat als Ursprungstempel immer Namensgeber der Region.
Ich habe die Anlagen zusammen mit einem brasilianischen Mitreisenden per Tuk-Tuk erkundet. 4:30 Uhr standen wir dazu auf, um rechtzeitig den Sonnenaufgang zu sehen. Leider waren wir mit dieser Idee nicht allein. Als wir am Angkor Wat-Tempel ankamen, standen hunderte weitere Touristen an, um sich für das optimale Foto eine prominenten Platz am Ufer eines Teiches zu sichern. Leicht geschockt entschlossen wir uns, erstmal in den noch dunklen Tempel zu gehen, was eine sehr surreale Erfahrung war und sich nach Indiana Jones angefühlt hat, wie wir in den dunklen Räumen mit nur minimalem Licht herumkletterten. Die Stimmung war mystisch-faszinierend. Später sind wir dann wieder nach draußen gelaufen und haben unterschiedliche Bilder machen können:
Morgendämmerung im Angkor Wat (oder: "Allein im Angkor Wat")
Majestätisch erhebt sich das Angkor Wat vor Aufgang der Sonne
Sonnenaufgang über der ehemaligen Khmer-Hauptstadt
Nach Sonnenaufgang und einem ausgiebigen Frühstück in der Nähe haben wir eine Rundfahrt durch das sich circa 200 Quadratkilometer erstreckende Gebiet gestartet, die uns durch weitere, Tempelanlagen führte, unter anderem dem Bayon, der nach dem Zerfall Angkors der Mittelpunkt der neuen Hauptstadt Thom bildete oder der mystisch anmutende Tempel Ta Prohm, der unter anderem als Kulisse für den Film Tomb Raider diente. Die genaue Anzahl der existierenden Tempel wird auf circa 1000 geschätzt.
Ta Prohm - mit Bäumen verwachsen und Drehort des Films "Tomb Raider"
Einige Tempel sind bis zu 70 Meter hoch - zu erklettern bei 40 Grad und 80-90% Luftfeuchtigkeit
Die Aussicht war jedoch meist atemberaubend
Der Tempel Bayon, Zentrum der neuen Hauptstadt Thom nach dem Zerfall Angkors, nur wenige Kilometer entfernt
Nachfolgend noch ein paar weitere Tempelaufnahmen vom Tag:
Wir sind bis zum Sonnenuntergang geblieben, was angesichts der stehenden Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit eine Leistung war, denn die Sonne brannte die ganze Zeit und es wehte nicht der Hauch eines Lüftchens, was Klettertouren auf bis zu 70 Meter hohe Ebenen und hunderte Meter Fußweg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten. Die Touristen mit Fahrrad hatten es allerdings noch härter. Viele bereuten sicher die Wahl ihres Gefährts. Aus meiner Sicht hat sich die Anstrengung gelohnt: Atemberaubende Aussichten und die beeindruckende Erkundung der Überreste einer mittelalterlichen Hochkultur, wo laut aktuellen Forschungsberichten bis zu eine Million Menschen gelebt haben könnten, haben mich mehr als entschädigt. Nicht zuletzt der Sonnenuntergang hat den Tag perfekt abgerundet.












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