Sonntag, 22. Februar 2015

Der burmesische Traum geht weiter

Nach den ersten imposanten Eindrücken des Landes in Yangon und Bagan ging es gemütlich per Schiff in die zweitgrößte Stadt des Landes: Mandalay. Es scheint eine Tour durch die ehemaligen Hauptstädte des Landes zu werden, denn alle drei Städte (Yangon, Bagan, Mandalay) stellten zeitweise das politische Zentrum des Landes. Im 11.-13. Jahrhundert bildete die Stadt Bagan mit ihren über 2.000 Tempelanlagen den Mittelpunkt des Reichs. Es war die Zeit der Einführung des Buddhismus und jeder Herrscher wollte den vorherigen beim Bau neuer Tempel überbieten. Zum Verhängnis wurde diese Strategie, als gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Mongolen in Birma einfielen und die Stadt eroberten. Eine miltärische Verteidigungsanlage fehlte völlig. Nach Abzug der Mongolen gelang es 1606 einem Nachkommen des ehemaligen Bagan-Königreichs, das Land wieder zu vereinen. Ein paar Jahre später übernahm eine andere Dynastie die Macht, welche den Sitz des Landes in die circa 120 Kilometer flussaufwärts gelegene Stadt Mandalay verlegte. Dort residierte der König in einem gigantischen Palast von fast vier Quadratkilometern (Außenmauern 2x2 km!). Ab 1852 musste sich dieser jedoch den Briten unterordnen und 1885 endgültig ausziehen, nachdem er mehrmals versuchte, die Unabhängigkeit Birmas wieder herzustellen. Im Zuge der vollständigen Eroberungs Birmas durch die Briten haben diese 1885 ihren Sitz in die Hafenstadt Yangon, circa 500 km südlich von Mandalay, verlegt. Nach der Unabhängigkeit Birmas blieb Yangon dieser Status erhalten. 2006 allerdings beschloss die Regierung, die völlig neu aus dem Boden gestampfte Stadt Naypidaw, zwischen Yangon und Mandalay gelegen, zum neuen machtpolitischen Zentrum des Landes zu machen. Die Gründe für diese Entscheidung sind schleierhaft. Eine Erklärung könnte sein, dass Naypidaw weit ab der großen Städte liegt und die Militärdiktatur sich dort sicherer fühlt. Die neue Hauptstadt haben wir nicht besucht. Angeblich kann man da üppige Shoppingzentren und sechsspurige Schnellstraßen bestauen, die jedoch kaum einer nutzt.
Route durch Myanmar
In Mandalay, der zweiten Station auf unserer "Hauptstadtrallye", gab es den Königspalast und ein paar idyllische Altstadtsiedlungen in der näheren Umgebung zu besichtigen. Höhepunkt war jedoch der Besuch eines buddhistischen Klosters, das circa 2.000 Mönche beherbergte. Das Mönchsein im Buddhismus sieht dabei etwas anders aus als im Christentum. Die meisten Mönche sind Jugendliche und junge Erwachsene, die für eine bestimmte Zeit (1-2 Monate) ins Kloster gehen, um in die Lehren des Buddhismus eingeweiht zu werden. Viele machen das in den Schul- oder Semesterferien. Dort leben sie dann nach dem buddhistischen Rhythmus, der vorsieht, dass man die rote Robe trägt, barfuß herumläuft, um 4:00 Uhr früh aufsteht und dann stundenlang meditiert. Gegen 11:00 Uhr gibt es dann die zweite und letze Mahlzeit des Tages. Zwischendurch gibt es auch noch Lehren von Priestern Mönchen und jeder hat eine praktische Aufgabe, wie Hof fegen oder abwaschen. Wir haben uns die Mittagsspeisung der Mönche angeschaut, was sehr interessant war, jedoch auch ein merkwürdiges Bild abgegebenen hat, wenn man sich als Tourist direkt neben die wartenden Mönche aufstellt.
Buddhistische Mönche warten an der Essensausgabe eines Klosters in Mandalay

Außenmauern des ehemaligen Königspalastes in Mandalay

Sonnenuntergang an der längsten Holzbrücke der Welt (aus Teakholz)

Tempelanlage auf einem Hügel bei Mandalay

Von Mandalay aus ging es per Bus (6 h) zu einem kurzen Zwischenstopp in die Berge rund um den Ort Kalaw. Auf einer halbtägigen Wanderung liefen wir an Feldern (vor allem Blumenkohl) vorbei, schauten uns eine Grundschule an und genossen den kühlen Ausblick in die Täler. Ich wäre gern noch länger geblieben und hätte die dreitägige Wanderung an den berühmten Inlesee gemacht. Dafür war jedoch keine Zeit. Per Bus ging es daher weiter.
Wandern in der Gegend um
 Kalaw

Kurzbesuch einer Grundschule in Kalaw

Der Inlesee war mein landschaftliches Highlight in Myanmar. In der Trockenzeit ist er relativ flach, so dass sich Uferstreifen, Wasserwege und kleinste Inseln mit einzelnen Dörfern abwechseln. In der Regenzeit schwillt der See jedoch auf mehrere Meter Wassertiefe an, so dass sich über 70 Dörfer auf einmal mitten im Wasser befinden. Aus diesem Grund sind alle Häuser auf Stelen von bis zu fünf Meter gebaut und sämtliche Zugangswege sind nur über Wasserstraßen möglich. Einen Eindruck davon bekommt man auch in der derzeitigen Trockenperiode, wo wir eine einprägsame Tagestour durch verschiedene Dörfer per Boot unternahmen inklusive Stopps bei einer Zigarrenfabrik, einer Seidenweberei, einem Tempel und Mittag fünf Meter über dem Wasser in einem Restaurant. Hier ein paar Eindrücke:
Häuser auf Stelzen im Inlesee

Kleine, schwimmende Inseln auf dem Inlesee

Mit dem Boot geht es durch die surreale Seelandschaft

Nach fast zwei bewegenden Reisewochen durch das Land Myanmar hieß es Abschied nehmen von der Reisegruppe, mit der ich viele unterhaltsame Stunden durchlebt habe. Bei einem Glas burmesischen Wein konnte man die Erlebnisse nochmal Revue passieren lassen, bevor es am nächsten Morgen per Flieger zurück nach Yangon ging. Während die anderen das Land wieder verließen, habe ich mich entschlossen, noch ein bisschen zu bleiben und westwärts an eine der imposanten Strände von Myanmar gefahren: Ngwe Saung Beach. Direkt am Golf von Andamen gelegen und ganze 15 Kilometer lang bot er feinsten Sand und nur sehr wenige Touristen. Es gab zwar einige Hotelresorts, diese sind jedoch recht klein gehalten und erstrecken sich lediglich am nördlichen Rand rund 2-3 Kilometer. Weiter südlich war es beinahe menschenleer mit Ausnahme vom ein paar, wenigen Einheimischen. Die Konsistenz des Sandes erlaubte es, den Strand per Fahrrad zu erkundigen, ohne einzusinken, was mich veranlasste nach zwei Tagen in der Sonne liegend am dritten Tage die 15 Kilometer südwärts hin- und wiederzurückzuradeln - ein umwerfendes Erlebnis. Danach ging es wieder auf sechs Stunden Busfahrt zurück nach Yangon.
Blick vom Hotel aus

Radtour am Strand

Rückblickend hat mich das Land in seinen Bann gezogen. Es ist Asien pur mit nur einem geringeren touristischen Anstrich. Für mich sind es die freundlichsten Menschen Asiens, vor allem die Kinder, die einem bei jeder Gelegenheit ein (hoch)erfreutes "Mingalaba" (Hallo) zuriefen und zuwinkten. Trotz der teilweise großen Armut konnte man von Ihnen immer ein Lächeln erhaschen. Außerdem bietet das Land Gelegenheiten für beeindruckende Bilder, ob in Bagan, Mandalay, den Bergen von Kalaw, dem Inlesee oder an den Stränden. Überall begangenem einem imposante Landschaften, meist verknüpft mit einem romantischen Sonnenauf- und/oder -untergang. Auf der anderen Seite steht das Land noch vor großen Herausforderungen, vor allem politisch, infrastrukturell und im sozialen Bereich. Politisch steht das vor vier Jahren gegeben Versprechen nach freien und fairen Wahlen noch immer aus, wobei sich bereits einiges getan hat, zum Beispiel bei der Verfolgung von Oppositionellen. Infrastrukturell besitzt Myanmar ein extrem veraltetes Eisenbahn- und Straßensystem, wobei letzteres bemerkenswert ist, da man für fast jeden Kilometer Straße Maut zu entrichten hat. Die Straßen sind extrem schmal und weisen viele Schlaglöcher auf, was eine Herausforderung ist, wenn sich mal zwei LKW begegnen. Im sozialen Bereich fällt auf, dass extrem viele Kinder arbeiten. Ob im Restaurant, beim Verkauf von Souveniren an Touristen oder auch auf dem Feld müssen viele mit anpacken, damit die Familien über die Runden kommen. Nicht immer können sie daher in die Schule gehen - aus Zeit- als auch aus Geldgründen. Ich habe mich sehr oft unwohl gefühlt, wenn ich ein Essen von einem Minderjährigen serviert bekomme.
Nichtsdestrotz ist das Land eine Reise wert und die Hoffnung bleibt, dass sich die langsame Öffnung langfristig positiv auf die Lebensumstände der Bevölkerung auswirkt. Ich komme auf jeden Fall gern wieder!

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